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Zwei Seelöwen üben das Landleben

Leere Aloy

Ende Januar lassen wir eine weitgehend leergeräumte ALOY zurück. Im Vorschiff lagert noch unser Gepäck, ansonsten ist das Boot so weit hergerichtet, dass es Interessent:innen vorgeführt werden kann. Dieser Tage führen wir auch Telefongespräche mit möglichen zukünftigen Bootseigner:innen, mit gemischten Gefühlen. Einerseits sind wir erfreut über die Anfragen, weil wir ALOY verkaufen möchten, andererseits ist es beklemmend, weil wir an unserer Gefährtin hängen.

ALOY's Salon leergeräumt (Foto von Niklas)

Die Rundreise durch Neuseeland wird hoffentlich etwas Abstand schaffen. Ralf von der JANGADA fährt uns netterweise zur Bushaltestelle in Whangārei, von wo aus wir mit dem Intercity Bus nach Auckland aufbrechen. Dann geht es mit dem Flugzeug weiter auf die Südinsel.

Karte der Südinsel mit unserer Reiseroute

Christchurch - Ōtautahi

Nach unserer Landung in Christchurch geht’s erst mal ins Gefängnis! Präziser formuliert, ins ehemalige Gefängnis, das heute als Jugendherberge genutzt wird. René und ich werden in Zelle 23 untergebracht, hinter einer schweren Metalltür, die durch ein elektronisches Zahlenschloss gesichert ist. Dank der hohen Decke wirkt der schmale Raum mit den massiven Steinwänden trotzdem recht angenehm geräumig, zumal wir jederzeit raus dürfen.

Jailhouse Accommodation | unsere Zimmertür | René sitzt in der Zelle

Der Weg vom Jailhouse ins Stadtzentrum führt durch einen weitläufigen Park, in dem die lautesten Grillen wohnen, die wir je haben Zirpen hören. Auf den Rasenflächen spielen Einheimische Cricket, Tourist:innen werden von Gondolieri auf dem Avon herumgeschippert. Der Park begeistert uns, weil er das Stadtzentrum grün und einladend macht.

Christchurch, auf Māori Ōtautahi genannt, ist im 21. Jahrhundert gleich zweifach auf traurige Weise berühmt geworden. Zum einen durch eine Reihe von Erdbeben, von denen jenes am 22. Februar 2011 das verheerendste war. 185 Menschen kamen ums Leben, über zehntausend Gebäude wurden so stark zerstört, dass sie abgerissen werden mussten. Beim Terroranschlag auf eine Moschee im Jahr 2019 kamen 51 Menschen ums Leben und viele weitere wurden verletzt.

Stadtzentrum von Christchurch | Skulptur im Stadtzentrum | Gondel auf dem Avon | künstlerische Darbietung im Park | Graffiti | Stahlträger sichern einen Innenraum im Art Center | unrestaurierte Kathedrale | abgebrochene Treppe

Die Folgen der Erdbeben sind auch heute noch allgegenwärtig, nicht mehr so sehr in beschädigten Strukturen und Bauprovisorien, sondern in den vielen Neubauten, welche die Stadt prägen. Historische Bauten, wie das Art Center, die das Beben überstanden haben, mussten aufwendig mit Stahlträgern gesichert werden. Ein Provisorium fällt dennoch ins Auge: Die Restaurierungsarbeiten an der Kathedrale pausieren, weil das Geld für das enorm teure Projekt fehlt.

Mit dem Campervan in die Berge

Um den Süden des Landes zu bereisen, haben wir für elf Tage einen Campingbus gemietet, da wir so auch in die abgelegeneren Gegenden kommen. Neuseelands öffentliches Verkehrsmittel Nummer eins, der Intercity Bus, verkehrt nämlich nur, «inter City», also zwischen den Städten. Campingbusse sind für Südinselreisen sehr beliebt. Wir wählen ein einfaches Model, ein normaler Van, dessen Rückbank in eine Koje und dessen Kofferraum in eine Pantry umgebaut wurde.

Unser Fahrzeug | Campingplatz am Lake Pukaki

Die Campinginfrastruktur in Neuseeland ist prima. Das allgegenwärtige Department of Conservation, kurz DOC, pflegt nicht nur die Nationalparks, sondern unterhält auch überall Campingplätze. Teilweise darf man diese kostenlos nutzen, solange man ein «selfcontained» Fahrzeug hat, also eine Bordtoilette mitführt sowie eine eigene Küche mit Abwassertank.

Die DOC-Campingplätze bieten ein Plumpsklo, das je nach Tageszeit ziemlich müffelt, aber sauber ist, und eine Wasserquelle, wie zum Beispiel ein See, ein Fluss oder ein Regenwassertank. Hier wirft man für ein oder zwei Nächte Anker oder wie das im Campingjargon heissen mag. Möchte man es etwas komfortabler, kann man einen Platz auf einem Holiday Park buchen, wo es Duschräume und beheizte Gemeinschaftsküchen gibt.

Aussicht über den Lake Pukaki auf den Mount Cook

Unsere erste Anlegestelle finden wir am Lake Pukaki, von wo aus man die weisse Spitze von Neuseelands höchstem Berg, dem Aoraki / Mount Cook sehen kann. Der See hat diese herrlich klare, intensiv blaue Farbe, die Bergseen manchmal haben, und da René und ich die Südinsel als eine Art Akklimatisierung an den Schweizer Winter betrachten, bade ich darin. Brrr.

Ben Lomond

Nun gut, so kalt ist es eigentlich gar nicht. Mit dem Frieren-Üben machen wir gute Fortschritte, aber wie steht es um unsere Fitness zu Fuss? Da haben wir zuletzt nicht so gute Erfahrungen gemacht. Gleich am Tag nach unserer Ankunft in Queenstown packen wir deshalb die Wanderschuhe aus. Mit der Gondelbahn fahren wir auf den Haushügel, den Bob’s Peak, und begeben uns auf den Weg zum Ben Lomond. Die Wanderung sei mittelschwer und lohnenswert, heisst es in mehreren Reiseblogs übereinstimmend. Das Wetter ist kühl und die Berge sind wolkenverhangen, was im Nachhinein eine gute Sache war, denn so konnten wir nicht sehen, wie weit es hinauf geht.

Wolkenverhangener Ben Lomond Track

Es geht kontinuierlich hinauf, von Anfang an und ohne Unterbruch. Eine Familie mit Kleinkind überholt uns. Noch ein paar Leute überholen uns. Ich treibe meine trägen Flossen an. Obwohl wir wissen, dass die Wanderung fünf bis sechs Stunden dauert, behauptet René alle zehn Minuten, es sei nicht mehr weit. Wir überhohlen ein älteres Pärchen, immerhin!

Unterwegs auf dem Ben Lomond Track

Keuch! Warum habe ich nicht nachgelesen, wie viele Höhenmeter es sind? «Wir sind sicher gleich da» repetiert René optimistisch. «Petunia würde nicht aufgeben» flüstere ich mir selbst zu. Die Wolken wandern langsam mit uns den Berg hinauf und schliesslich folgt ein letzter steiler Aufstieg und wir haben es tatsächlich geschafft. Juhui! Mit kirschrotem Kopf lachen wir in ein Gipfelfoto, dann bewundern wir die Aussicht: weisser Dunst.

Auf dem Gipfel

Beim Abstieg werden wir dann allerdings mit einem herrlichen Panorama belohnt, weil die Sonne doch noch kommt. Die borstigen Grasbüschel auf den Hügeln schimmern im Sonnenlicht golden und in der Ferne sieht man den Lake Wakatipu. Zurück in Queenstown und mit Internetverbindung recherchieren wir, dass wir gerade über neunhundert Meter hinauf und anschliessend wieder hinab gelaufen sind.

Der Nebel lichtet sich, herrlich bunter Wald | der Gipfel des Ben Lomond | Queenstown und Lake Wakatipu

Milford Sound

Unsere nächste Etappe führt uns an den Milford Sound in den Fiordlands. Ein Labyrinth aus Meerarmen durchschneidet hier im Südwesten das Festland. Wasser, Berge und Wald, soweit das Auge reicht und, autsch, Sandflies! Der dreitägige Milford Track ist einer der berühmtesten Wanderwege der Welt. Die wenigen Übernachtungsplätze auf dem Wanderweg können jeweils ab Juni für die kommende Saison reserviert werden und sind stets innert Minuten ausgebucht.

Milford Sound

Da uns das neugierig macht, buchen wir einen Tagesausflug ins Wandergebiet. Ein Wassertaxi fährt uns frühmorgens über den Fjord zum Sandfly Point, dem Endpunkt des Milford Tracks. Von dort aus wandern wir zwei Stunden durch den Wald bis zum Giant Gate Wasserfall, an dem der letzte Rastplatz der Mehrtagesstrecke liegt. Abgesehen vom Pfad wirkt der Wald unberührt, die Bäume und Sträucher sind allesamt mit filigranen, weichen Moospolstern bewachsen, kleine Wasserfälle, klare Flüsse und trübe Seen begleiten den Weg. Es ist ein Urwald wie man ihn sich für Mittelerde vorstellt.

Wassertaxi zum Milford Track | Waldweg am Milford Track | moosbewachsene Bäume

Zurück am Ausgangsort, besteigen wir ein anderes Boot, diesmal ein Cruiseship, das den Fjord hinab bis in die Tasmansee und wieder zurück fährt. Links und rechts ragen mehrere hundert Meter steile Felswände in die Höhe von denen, insbesondere nach Regenfällen, Wasserfälle herabstürzen.  

Giant Gate Falls | nassgespritzt vom Wasserfall | Stirling Falls

Bluff

Wir nehmen die Southern Scenic Route und folgen ihr bis nach Bluff. Östlich der geschützten Fiordlans wird die Strasse von Weideflächen flankiert. Ab und zu sehen wir Gemüse- oder Getreidefelder, ansonsten endlos weite, baumlose Hügel, auf denen Schafe grasen. Zwischendrin stehen Kiefernwälder. Sie werden gezielt als Monokulturen aufgeforstet. Sind die Stämme hoch genug, werden ganze Waldabschnitte am Stück gerodet, was eine graue Ödnis in der Landschaft hinterlässt. Holzexport ist hier ein Milliardengeschäft.

Unterwegs auf der Southern Scenic Route: nahe dem Milford Sound | Mähhh | an der Südküste | geroderter Kiefernwald | Strohballen 

Bluff, ist der südlichste Ort der Südinsel. Es liegt 5'133 Kilometer vom Äquator und 4’810 Kilometer von der Antarktis entfernt. So jedenfalls weisst es der Wegweiser am Stirling Point aus, der berühmtesten und vermutlich einzigen Sehenswürdigkeit, die der Ort zu bieten hat. 

Unsere Begeisterung für Bluff hält sich in Grenzen. Das kann am schlechten Wetter liegen, das unseren Besuch begleitet. Viele, die Bluff besuchen, reisen von hier aus weiter nach Steward Island, aber diesen Trip müssen wir aus Kosten- und Zeitgründen auslassen. Wir machen stattdessen einen Küstenspaziergang und halten Ausschau nach Pinguinen, leider ohne Erfolg.

Unterwegs im regnerischen Bluff | Graffiti | Wegweiser von Bluff

Otago Halbinsel

Die Southern Scenic Route führt uns weiter die Ostküste hinauf und endet in der Hafenstadt Dunedin. Von dort aus fahren wir auf die Otago Halbinsel. Im kleinen Ort Portobello scheint auf den ersten Blick nicht viel los zu sein, aber der Campingplatz ist gut besucht und wir sind froh, dass wir bereits am Vortag reserviert haben. Ebenfalls ausgesprochen lebendig ist das Royal Albatross Zentrum.

Hunderte von Möwen fliegen, kreischen, watscheln, nisten und scheissen herum. Es stinkt abscheulich. Wir stellen unser Auto auf dem grossen Parkplatz vor dem Zentrum ab und wundern uns, wie unsere Parknachbarn so unklug sein konnten, das Verdeck ihres Cabrios offen zu lassen. Die Möwe, die auf dem Lederpolster sitzt, wirkt sehr zufrieden.

Hunderte von Möwen | Albatross (Foto in einem Museum aufgenommen)

Das Zentrum bietet Touren an, bei denen man Albatrosse oder Pinguine beobachten kann. Wir verzichten auf eine Buchung, die Pinguintouren sind ohnehin auf Wochen hin ausgebucht, und trinken stattdessen einen Kaffee. Durch die Panoramafenster sehen wir, wie zwei der Albatrosse weite Kreise ziehen: schlanke, lange Flügel, die ohne einen einzigen Flügelschlag über die Hügel gleiten. Trotz der Möwenschwärme erkennt man die Albatrosse sogleich, sie wirken wahrhaft majestätisch. Mit einer Flügelspannweite von über drei Metern sind sie die Königinnen der Seevögel.

Sand und Seelöwen

Am kommenden Tag spazieren wir von einem Aussichtspunkt, genannt Sandymount, Richtung Meer. Der Hügel wird seinem Namen gerecht, er besteht wie eine übergrosse Düne aus Sand. Wir trotten eine Weile den schmalen Pfad hinunter und überlegen es uns gut, ob wir wirklich die ganzen zwei Kilometer bis zum Strand hinunter gehen sollen, zumal wir nachher wieder hoch müssen. Wer einmal eine Düne hinaufgeklettert ist, kennt das Problem: Einen Schritt vorwärts, einen halben zurück.

Aussicht vom Sandymount | Sandpfad zum Strand

Es gibt allerdings einen guten Grund, den Sandfly Beach zu erreichen. Einmal um die letzte Düne biegen und … tatsächlich, da liegen sie faul herum: schwere, braune, pelzige Seelöwen entspannen am Strand. Einer streckt eine Flosse in die Luft und gähnt ausgiebig. Ein anderer gräbt sich selbst im Sand ein. Ein dritter kommt gerade aus dem Wasser, watschelt den Strand hinauf und sucht sich einen Platz zum Fläzen.

Seelöwen am Sandfly Beach

Natürlich möchten wir die Robben möglichst gut sehen können. Das DOC rät allerdings, man solle zwanzig Meter Abstand von den Tieren halten. Ich schraube das Teleobjektiv auf die Kamera und so bekommen wir trotz respektvoller Distanz einige schöne Fotos.

Zugfahrt nach Norden

Nach der Rückgabe des Vans in Christchurch reisen wir mit dem Zug weiter. In Neuseeland gibt es nur wenige und verhältnismässig kostspielige Zugstrecken, aber diese sind dafür besonders pittoresk. Die Fahrt von Christchurch nach Picton führt der Ostküste entlang, über breite blaue Flüsse, grüne Felder und entlang von robbenbelagerten Felsenstränden. Der hinterste Zugwaggon ist offen, so dass man sich den Fahrtwind um die Nase wehen lassen kann.

Unterwegs mit dem Coastal Train von Christchurch nach Picton

Picton liegt ganz im Norden der Südinsel, in den Marlborough Sounds. Die Gegend ist als Weinbauregion bekannt, besonders der Sauvignon Blanc sei sehr beliebt. Rotwein wird dagegen bevorzugt aus Australien importiert. Gleich ausserhalb der Marlborough Sounds verläuft die Cook Street, jene Wasserstrasse, welche die Süd- von der Nordinsel trennt. Sie liegt in den sogenannten Roaring Forties, den Brüllenden Vierziegern, wie die Region zwischen dem vierzigsten und fünfzigsten südlichen Breitengrad unter Seeleuten genannt wird. Stürmische Winde und hohe Wellen sind hier die Norm.

Weinreben in den Marlborough Sounds | Blick auf Picton

Mit Kajak und zelt

Bevor wir mit der Fähre über die Cookstrasse setzen, machen wir noch einen Abstecher in den Abel-Tasman-Nationalpark. Diesen wollen wir während zwei Tagen mit einem Kajak erkunden. Die nötige Ausrüstung mieten wir bei einer Firma im kleinen Ort Marahau. Dort instruiert man uns im Umgang mit dem Seakajak und nachdem wir dem Kajaklehrer ein paar Grundfertigkeiten im Umgang mit den Paddeln vorgeführt haben, werden wir auch schon aufs Meer entlassen und paddeln los.

Wir stechen mit dem Kajak in See | René paddelt wacker, noch lacht er

Es geht überraschend flink voran. Dank ruhigem Wasser und leichtem Rückenwind erreichen wir nach einer guten Stunde einen schmalen Strand auf einer Insel, wo wir picknicken. Dann paddeln wir der Küste entlang und können dabei wieder Robben beobachten, darunter auch einige Jungtiere, die sich zwischen den Steinen verstecken und auf ihre fischenden Mütter warten.

Am Ufer einer weiten Ankerbucht befindet sich, versteckt zwischen den Bäumen, unser Campingplatz. Wir ziehen das Kajak den Strand hinauf, was anstrengend, aber wegen der Gezeiten auch wichtig ist, und bauen auf einer Wiese das Zelt auf, das wir mit dem Kajak zusammen gemietet haben.

Unser Kajak bereit für die Nacht | Zeit zum Kochen | Ein Weka ist hinter unseren Taschen her

Obwohl wir das Paddeln nicht besonders anstrengend fanden, sind wir nun hundemüde. Noch kurz etwas kochen und dann ab ins Nest! Den Reissverschluss des Zeltes sichern wir für die Nacht, da wir mehrfach beobachtet haben, wie diebische Weka Vögel nicht nur allerhand lose herumliegendes Zeug klauen wollen, sondern sich auch an Taschen und Zelten zu schaffen machen. Einige Male erwischen wir die Viecher, wie sie mit einem lauten "Schwupp" den Reissverschluss unseres Zeltes aufziehen und einer der Laufvögel klettert mit unschuldigem Ausdruck aus einem fremden Zelt, als wir laut redend daran vorbei gehen.

In der lagune

Am kommenden Morgen nach dem Frühstück steht der Wasserpegel deutlich höher als bei unserer Ankunft. Hinter einer Gruppe von Felsen hat sich eine flache Lagune mit Wasser gefüllt, die wir mit dem Kajak erkunden können. Wir folgen eine Weile lang einer geführten Gruppe, beobachten Seevögel und kleine Stachelrochen und paddeln dann ein Stückweit einen Fluss hinauf. Hier vertäuen wir unser Gefährt und folgen einem Wanderweg bis zu einem Miniwasserfall.

Kajak vertäut im Fluss | Cleopatras Pool

Cleopatras Pool, steht auf einem Schild. Da müssen wir doch fast ein Bad nehmen, oder? Erfrischt vom Süsswasser laufen wir zurück zum Fluss und paddeln mit dem inzwischen ablaufenden Wasser aus der Lagune, von der in wenigen Stunden nur noch eine weite braune Schlammwüste übrig sein wird.

Gegenwind

Als wir um die Felsen biegen, welche die geschützte Bucht von der offenen Küste trennen, schlägt uns der Wind entgegen. Böen von über zwanzig Knoten streifen übers Wasser und kräuseln es auf. Wellen haben sich gebildet, die aus der Kajakperspektive gar nicht mal so klein wirken. Wir paddeln gegenan und was sich am Vortag als gemütlicher Sonntagsausflug angefühlt hat, wird nun harte Arbeit.

Nach eineinhalb Stunden haben wir einen besonders exponierten Abschnitt, den sie hier die Mad Mile nennen, geschafft. An einem Strand sehen wir viele rote und gelbe Kajaks liegen. Eigentlich wollten wir bis zur Mittagspause noch mindestens drei Kilometer mehr zurückgelegt haben, aber wir sind erschöpft und kommen kaum voran, also landen wir bei der Gruppe an.

Die Kajaks werden aufs Wassertaxi verladen | Aussicht aufs Meer im Abel Tasman Nationalpark

Ein Kajaklehrer eilt uns beim Auswassern sofort entgegen und rät uns dringend davon ab, weiter zu paddeln. Stattdessen verlädt er unser Boot zusammen mit jenen seiner geführten Tour auf ein Wassertaxi. Den Rest des Rückwegs legen wir zu Fuss zurück. Im Verlauf des Nachmittags legt sich der Wind wieder und die Sonne blinzelt hervor. Gerade rechtzeitig, um unseren Bus noch zu schaffen, erreichen wir Marahau.

Mit all den schönen Zwischenstopps an Flüssen, Seen und Küsten gewöhnen sich die beiden Seelöwen langsam ans Landleben und sind bereit für die letzte Reiseetappe auf der Nordinsel. Was uns dort wohl erwartet?

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