Saisonende auf Ha’apai
Einen Nachttörn südlich von Vava’u befindet sich die Inselgruppe Ha’apai. Die niedrigen von Riffen, Sand und Kokospalmen dominierten Inseln erinnern uns an die Tuamotus, liegen hier aber nicht als Atolle, sondern als einzelne Landflecken im Ozean verteilt.
ALOY bei den Inseln Foa und Nukunamo | Strand von Foa
Nach einem Zwischenstopp beim Hauptort Pangai für die Formalitäten, machen wir es uns am Riff zwischen den Inseln Foa und Nukunamo gemütlich. Hier befindet sich auch das Matafonua Resort, dessen wenige Gäste zwischen den Inseln kajaken und surfen. Vom Hotelbesitzer erfahren wir, wo die schönsten Schnorchelplätze sind und gehen auf Erkundungstour.
Eindrücke vom Korallenriff zwischen den beiden Inseln
Einen Teil des Resorts ist inzwischen geschlossen, weil die Hauptreisezeit auf Tonga gerade endet. Die Zyklonsaison naht und die Wale sind auf dem Weg Richtung Süden. Das kleine freundliche Hotelrestaurant ermöglicht es, dass wir dort Esters Geburtstag feiern. Mit fünfzehn Segler:innen verdoppeln wir die Zahl der Gäste und fordern das Küchenteam heraus. Es wird ein fröhliches Fest.
Die Hotelkatze geniesst den gästefreien Platz | Esters Geburtstagsgäste
Noch ein Tauchabenteuer
Dann verabschieden wir uns von einem Teil unserer Segelgrossfamilie, weil RUDIE MOODY, ISLAND KEA, APOLLON, SEVEN und JANGADA zeitnah Richtung Neuseeland aufbrechen. Zurück bleibt die gute alte Tiny Fleet. Während APNEA beim Hotel auf Nachzüglerin TIPOTA wartet, brechen SOVMORGON und ALOY auf einen Abstecher zur Insel Ofolanga auf.
Ich bin mässig begeistert von dem Unterfangen, aber mein lieber Tauchergemahl will da unbedingt hin und Ester und Niklas sind sowieso für jeden Unfug zu haben. Wir segeln also zurück Richtung Nordwesten und Ankern exponiert am Riff. ALOY taumelt und hüpft herum, SOVMORGON braucht fünf Anläufe, bis ihr Anker greift. Da niemand Lust hat, hier länger als nötig zu bleiben, brechen wir noch am selben Nachmittag zu einem Tauchgang an den schroffen Unterwasserabhang auf. Auch die Dinghys werden nun am Riff verankert und in der Ferne sehen wir unsere Masten wie Metronompendel schwingen.
Seegurke der Art Ananas-Seewalze | Niklas und der Schwarzpunkt Stechrochen
Während wir die, zugegeben interessante, Unterwasserwelt erkunden, bricht bereits die Dämmerung herein. Die Sicht unter Wasser ist mässig, so dass die Taschenlampen zum Einsatz kommen. Niklas inspiziert neugierig die Felswand und schwimmt dabei beinahe in einen Schwarzpunkt Stechrochen, eine Rochenart, die uns hier zum ersten Mal begegnet.
Schwarzpunkt Stechrochen
Auf dem Rückweg stelle ich fest, dass sich die zuvor geöffneten Prachtanemonen inzwischen für die Nacht zu goldgelben Kugeln geschlossen haben. Die Anemonenfische, die hier tagsüber Schutz suchen, weil sie im Gegensatz zu anderen Fischen, das Gift der Anemonententakeln vertragen, müssen für die dunklen Stunden ein anderes Quartier beziehen.
offene und geschlossene Prachtanemone
Die Nacht in Schaukel-ALOY ist nicht besonders erholsam, daher füllt René gleich nach dem Aufwachen die Tauchflaschen und wir machen uns zum zweiten Tauchgang auf. Diesmal geht es in eine Höhle, die neben einem beachtlichen Hauptraum auch eine kleine Kammer mit Thermalquelle aufweist. Man hat uns gewarnt, dass das Wasser hier bisweilen gefährlich heiss werden kann, weshalb ich vor dem Tauchgang besorgt bin. Heute ist es aber nur leicht erwärmt und die Wände sind von einem dezenten, schweflig gelben Flaum überzogen. Beim Auftauchen durch den oberen Höhleneingang beeindrucken uns die interessanten Felsformationen über unseren Köpfen.
Höhlentauchgang, im Hintergrund der seitliche Eingang | René im Dunkeln | Aufstieg durch den oberen Höhlenzugang mit seinen Felsskulpturen
Satt Gesehen?
Limu, Lalona und Kelefesia werden zu den letzten einsamen, tropischen Südseeinseln unserer Reise, wild und wunderschön. Zwischen dem weichen beigen Sand liegen lauter kleine Kunstwerke in Form von Muschelschalen versteckt, von den grünen Zweigen singen die Vögel und das türkise Wasser wirkt mal wieder wie hinterleuchtet. Wiederhole ich mich? Nun ja, es ist und bleibt einfach faszinierend schön und der Abschied fällt nicht leicht.
Limu in der Dämmerung und am sonnigen Tag
Aber auch ALOY meldet inzwischen, dass es Zeit für Werft und Wartung wird. Der Kochrost ist zerbrochen, das Dinghy leckt erneut und die Luftpumpe ist beschädigt, das Ruder gibt seltsame quietschende Geräusche von sich, eine Hydraulikpumpe rostet und Renés Tauchuhr hat den Geist aufgegeben. Es sind zum Glück mehrheitlich Dinge, die wir irgendwie flicken oder umgehen können, dennoch, neun Monate ununterbrochenes Reisen gehen nicht spurlos an unserem tapferen Gefährt vorbei.
Strandspaziergang auf Kelefesia
Tausend Meilen bis Neuseeland
Also stellen wir uns unserer letzten grossen Herausforderung, der Reise und Einreise nach Neuseeland. Vor uns liegen noch einmal tausend Seemeilen, hinaus aus dem tropischen Passatgürtel mit seinen konstanten Ostwinden und zurück in gemässigteres Klima, wo das Wetter von abwechselnd durchziehenden Hoch- und Tiefdruckgebieten bestimmt wird. Die Passage kann, glaubt man dem Seemannsgarn, strapaziös werden.
Auf jeden Fall anstrengend sind die Einreisevorbereitungen, denn es gelten strenge Richtlinien, um die Ausbreitung von invasiven Tier- und Pflanzenarten zu verhindern. In der Kabine soll alles gereinigt und auf jeden Fall frei von irgendwelchen krabbelnden Passagieren sein. Zur Sicherheit putzen wir nochmal Schapps und Bilge heraus und versprühen wie empfohlen prophylaktisch Insektenspray.
René dokumentiert den Zustand des Bootes nach dem Putzen
Um durch die Kontrolle zu kommen, muss auch das Unterwasserschiff blitzblank sein. Ausser einem leichten Schleimbelag, der sich stets innert wenigen Tagen bildet, darf es am Rumpf keinerlei Bewuchs haben. Wir putzen. Und putzen. Und am nächsten Tag putzen wir nochmal. Jede Ritze und jedes Schraubenloch soll sauber sein. ALOYs ansonsten praktischer Schwenkkiel und das hochklappbare Ruder werden nun zum echten Nachteil, denn man kommt kaum in die Ecken der dazugehörigen Kästen. Schliesslich dokumentieren wir den Zustand mit Videos und über hundert Fotos, die wir den neuseeländischen Behörden zur Prüfung übermitteln.
ALOYs geschruppter Rumpf, nicht gut genug
Gespannt warten wir eine Woche lang auf das Urteil, dann kommt die ernüchternde Botschaft. Die Expertin hat auf dem Bildmaterial unzulässigen Bewuchs entdeckt. Wir glauben nicht mehr daran, dass wir das Boot sauber genug kriegen ohne dabei das ganze Antifouling wegzureiben und kontaktieren zähneknirschend eine Werft mit Quarantänedock.
Nebenher beantragen wir unsere Visa, buchen Hafenplätze und nehmen Kontakt mit dem Zoll auf. Inzwischen steht für uns fest, dass das Land am anderen Ende der Welt unsere letzte Reisestation werden soll. Uns zieht es nach Hause, zurück in den Alltag und zu Freunden und Familie. Das heisst allerdings, dass die wackere ALOY eine neue Crew braucht. Deshalb werden wir sie nach Neuseeland verzollen und dort zum Verkauf anbieten. Braucht hier jemand zufällig eine seefeste Yacht?
The true South Pacific
Nachdem wir uns von Kelefesia losgerissen haben, erreichen wir eine weitere Nachtfahrt später Tongatapu und ankern vor Tongas Hauptstadt Nuku’alofa. Auf der grossen landwirtschaftlich üppig genutzten Insel leben die meisten der rund 100’000 Bewohner:innen des Landes. Wir kommen gerade rechtzeitig zum hundertfünfzigsten Nationalfeiertag. Die Stadt ist mit Bannern geschmückt, es gibt eine Parade und ein opulentes Feuerwerk.
Blasorchester, das die Parade anführt | zwei Männer spielen Muschelhorn | eine fröhliche Australische Fraktion
Tonga ist seit 1875 eine konstitutionelle Monarchie. König Tupou I. hatte die verschiedenen Stämme und Inselgruppen zu einem Land geeint. Sein Nachfolger Tupou II. schloss mit Grossbritannien einen Protektoratsvertrag ab, weshalb der Inselstaat heute zum Commonwealth zählt. Der Vertrag hält fest, dass sich das Land selbst verwaltet, worauf die Tongaer:innen sehr stolz sind. Tatsächlich rühmen sie sich, das eine südpazifische Land zu sein, dass nie kolonialisiert worden ist und daher eine unverfälscht polynesische Kultur sei, «the true South Pacific».
Banner des Königreichs | Schriftzug "the true South Pacific" | Fischerboote im Hafen von Nuku'alofa | Eindrücke aus der Markthalle | Königspalast hinter dem Gartenzaun
Inselrundfahrt
An einem trüben Samstag unternehmen wir eine Inselrundfahrt mit Touristenführer Inoke. Im Kleinbus fahren wir kreuz und quer über die Insel. Am Westkap erzählt Inoke von dem achtzehn Meter hohen Tsunami, der 2022 nach dem Ausbruch des Hunga Tonga Vulkans das Land verwüstet hat. In Nuku’alofa hatte man grosses Glück, denn die Welle teilte sich an der Hauptinsel in zwei Richtungen und traf Tongatapu daher nur an einer Flanke. Die vielen kleinen Inseln nördlich der Hauptstadt wurden komplett überspült, die Folgen sind noch gut erkennbar.
Wrack vor dem zestörten "Big Mama Yacht Club"
Auf der anderen Seite von Tongatapu steht der Ha’amonga ‘a Maui, eine Art Mini-Stonehenge, das um 1200 n.Chr. erbaut wurde. In die zwei dreissig Tonnen schweren Seitenblöcke wurden passende Aussparungen gemeisselt, die den knapp sechs Meter langen Querstein aufnehmen. Zur Funktion des Bauwerkes gibt es verschiedene Spekulationen, zum Beispiel, dass es sich um einen Kalender handelt, der die Position der aufgehenden Sonne am längsten und kürzesten Tag des Jahres markiert.
Ha’amonga ‘a Maui
Schliesslich besuchen wir die Anahulu Cave, eine Tropfsteinhöhle mit unterirdischem See in dem man, kaum zu glauben, baden darf. Es ist ein ziemliches Spektakel, Tourist:innen, genauso wie Einheimische plantschen in dem unterirdischen See und springen von den glitschigen Tropfsteinen ins kühle Nass. Wir geniessen das Süsswasserbad sehr, ist es doch das erste seit fünf Monaten, und das Ambiente ist fantastisch.
Anahulu Höhle mit unterirdischem See | Ausflugsgruppe
Komm Mit!
Wir proviantieren noch einmal auf und warten auf Wind für die letzte Offshore-Etappe. Wenn du uns auf der Strecke von Tonagatapu nach Neuseeland wieder live begleiten möchtest, tipp auf diesen
Trackinglink: https://iphone.predictwind.com
Wir planen einen Zwischenhalt auf dem Minerva Reef, einem Unterwasseratoll, ähnlich dem Beveridge Reef. Es ist ein guter Zwischenhalt, um die Strecke zu verkürzen. Von dort aus geht es idealerweise auf dem Rücken eines möglichst langanhaltenden Hochdruckgebietes weiter nach Südwesten. Dann stellt sich die Frage, ob wir es vor dem Durchziehen des nächsten Tiefs bis ans Ziel schaffen oder ob wir dieses auf See abwettern müssen. Wir sind gespannt und ein bisschen aufgeregt, also drückt uns bitte nochmal die Daumen. Los geht’s!
Sonnenuntergang hinter Nuku'alofa

































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Haunis (Sonntag, 09 November 2025 10:19)
Daumen sind gedrückt !
Claudio und Isa (Sonntag, 09 November 2025 11:13)
Hallo meine Lieben
Ich kann mir vorstellen das der Abschied vom Paradies etwas schmerzt vor allem weil noch einmal eine happige Überfahrt ansteht. Der Bericht ist wieder super auch wenn mich das Höhlentauchen etwas gruselt. Wir wünschen euch eine ruhige Überfahrt mit dem Wind aus der richtigen Richtung und ein problemloses Einklarieren. Den Tracker haben wir schon eingestellt.
Livia (Montag, 10 November 2025 10:06)
Viel Glück! ��
Sandra (Mittwoch, 12 November 2025 20:42)
Alles Gute, genügend Wind und nur ganz kleiner Seegang ;-) und grüsst NZ von mir
Hansruedi @ Denise (Mittwoch, 19 November 2025 20:35)
Wir schliessen uns den Wünschen von Isa und Claudio an… und einmal mehr gute Fahrt und kommt gut …etwas später heim. �